Vor 1848 war die deutschsprachige Literatur der Schweiz nur vereinzelt über die Grenzen des eigenen Landes hinaus wirksam geworden. Nun aber erlebte sie im Realismus eine Hochblüte. Vor allem Gottfried KELLER und Conrad Ferdinand MEYER, die bedeutendsten Schweizer Dichter dieser Zeit, wurden weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt.
| Der protestantische Pfarrer Jeremias GOTTHELF (d.i. Albert BITZIUS, 1797-1854) war der Begründer des realistischen Bauernromans. Den Künstlernamen entnahm er seinem 1837 erschienenen Erstlingswerk Der Bauernspiegel oder Lebensgeschichte des Jeremias Gotthelf. Von ihm selbst geschrieben. Albert Bitzius wurde 1797 in Murten (Kanton Freiburg) als Sohn eines reformierten Pfarrers geboren. Anfangs unterrichtete der Vater seinen Sohn Albert selbst. Nach dem Besuch des Gymnasiums (1812-1814) in Bern studierte er Theologie auf der Berner Akademie. 1821 verbrachte er ein Semester in Göttingen und machte anschließend eine Reise durch Norddeutschland. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wurde er zuerst Vikar beim Vater in Utzenstorf. 1824 starb der Vater. Von 1826 bis 1829 war Bitzius Pfarrverweser in Herzogenbuchsee (Kanton Bern). 1829 wurde er Pfarrgehilfe an der Heiliggeistkirche in Bern. 1831 wurde er Vikar in Lützelflüh (Kanton Bern), wo er 1832 zum Pfarrer gewählt wurde. Gleichzeitig mit seiner seelsorgerischen Tätigkeit begann er sich auch im schulischen Bereich zu engagieren, wobei er sich immer wieder mit den Behörden anlegte. Er kämpfte gegen die Ausbeutung von Kindern aus armen Familien als billige Arbeitskräfte und setzte sich für die allgemeine Schulpflicht ein. 1833 heiratete er Henriette Zeender, die Tochter eines Berner Theologieprofessors. Zwischen 1835 und 1845 war Bitzius Schulinspektor im Kanton Bern. 1836 begann er zu schreiben und verwendete von da an für seine Publikationen das Pseudonym Jeremias GOTTHELF. Er erkrankte 1851 an einem Herzleiden und starb 1854 in Lützelflüh. Das Emmental im Berner Oberland war GOTTHELFs geschlossener Erlebnisraum. Weitab aller Literatur begann er erst spät zu schreiben. Sein Stil ist im eigentlichen Sinn kunstlos; er war eine urwüchsige Naturbegabung mit einem starken sittlichen und pädagogischen Anliegen. Wohl gibt es in seinen Werken Spannungen, Kämpfe und menschliche Verfehlungen, aber nie bleibt die Antwort aus, nie steht das Problematische am Ende, denn GOTTHELF war fest und ohne Zweifel im Christentum verankert und überzeugt, dass Gott alles zum Guten wenden werde. | ![]() Jeremias GOTTHELF Denkmal in Murten | |
| In den beiden Dorfromanen Wie Uli der Knecht glücklich wird (1841) und Uli der Pächter (1849) kritisiert der Dichter menschliche Probleme seiner Zeit aus traditionell christlicher Sicht. Sein Streben nach sozialpolitischen Veränderungen richtete sich v.a. gegen Genusssucht und Eigennutz. Erfolglosigkeit und Armut entspringen seiner Meinung nach einer selbstverschuldeten Gottlosigkeit. Dem stellt er ein gläubiges Leben, Bescheidenheit und eine christliche Erneuerung der Gesellschaft gegenüber. Damit nimmt er eine eindeutig religiöse Gegenposition zum radikalen, antikirchlichen und zum Teil atheistischen Liberalismus des Vormärz ein. Die Rahmenerzählung Die schwarze Spinne (1842) gilt als ein Meisterstück deutscher Prosa und zeigt den Einbruch des Dämonisch-Bösen in die Welt der Menschen. Bauern versprechen dem Teufel als Lohn für seine Hilfe beim Frondienst ein ungetauftes Kind. Der um seinen Lohn Betrogene schickt eine Spinnenplage, der Mensch und Tier zum Opfer fallen, bis die mutige Tat einer Mutter Befreiung bringt. Jahrhunderte später bricht die Spinnenplage durch die Gottlosigkeit der Menschen noch einmal aus. | ||
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| Gottfried KELLER (1819-1890) wurde 1819 als Sohn eines Drechslermeisters in Zürich geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters (1824) von der Mutter allein aufgezogen, besuchte KELLER von 1825 bis 1832 in Zürich eine Schule für arme Kinder, in der die Unterrichtsmethoden des Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi umgesetzten wurden. 1832 wurde er in die neu gegründete kantonale Industrieschule aufgenommen, von der er aber 1834 wegen eines Bubenstreichs verwiesen wurde. Er wollte nun Maler werden. Die ersten Versuche, in Zürich eine Ausbildung zu absolvieren, waren wenig erfolgreich. Im Frühsommer 1840 ermöglichte ihm eine kleine Erbschaft, nach München mit dem Ziel, sich an der Königlichen Akademie der Künste künstlerisch weiterzubilden. Aber er wurde nie als Schüler aufgenommen – und München war teuer. KELLER konnte keine Bilder verkaufen. Eine Typhuserkrankung zehrte seine letzten finanziellen Ressourcen auf, und so musste er schon im Herbst 1842 München wieder verlassen. Im Winter 1842/43 reifte in ihm die Erkenntnis, dass er wohl doch nicht mit Landschaftsbildern werde seinen Lebensunterhalt verdienen können. Nun wandte er sich dem Schreiben, anfangs der Lyrik, zu. Es entstanden Natur- und Liebesgedichte nach klassisch-romantischem Muster, vermischt mit politischen Gesängen zum Ruhm der Volksfreiheit und gegen die Tyrannei. Mit literatur- und kunstkritischen Beiträgen, die KELLER für die Neue Zürcher Zeitung und für die Blätter für literarische Unterhaltung verfasste, war kein ausreicheder Lebensunterhalt zu verdienen. | ![]() Gottfried KELLER (Holzstich von C. Kolb, um 1875) | |
Erst 1848 kam er mit Hilfe eines Staatsstipendiums nach Heidelberg, wo die Philosophie von Ludwig FEUERBACH eine starke Wirkung auf ihn ausübte. Schon bald wandte er sich wieder vermehrt dem Schreiben zu und versuchte sich nun als Dramatiker. Nachdem KELLER vorübergehend als freier Schriftsteller in Berlin gelebt hatte (1850-1855), wo zwar keine großen Theaterstücke entstanden, dafür aber der Entwicklungsroman Der Grüne Heinrich und der erste Band der Novellensammlung Die Leute von Seldwyla. Trinkt, o Augen, was die Wimper hält von dem goldnen Überfluss der Welt. (Abendlied aus dem Buch der Natur, in: Gesammelte Gedichte, 1883) Mit allen Sinnen wollte er Glanz und Fülle der Welt umklammern.
KELLERs große Stärke war die Epik. Im Roman und in der Novelle gab er liebevolle Schilderungen seiner Umwelt, charakterisierte Menschen mit ihren Mängeln, Schwächen und mit ihrer Schrulligkeit. Humor, Satire und Ironie spielen dabei eine wesentliche Rolle.
Sein Hauptwerk, der Entwicklungsroman Der grüne Heinrich, der in zwei Fassungen erschien (1. Fassung: 1854/55; 2. Fassung 1879/80), trägt stark autobiographische Züge.
Heinrich Lee, der wegen seiner grünen Anzüge der grüne Heinrich genannt wird, verliert früh seinen Vater und muss wegen eines Jugendstreiches vorzeitig die Realschule verlassen. Er will nun Landschaftsmaler werden. Er verliebt sich in zwei ungleiche Frauen, die zarte, blasse, kränkliche, tief religiöse Anna und die vor Gesundheit strotzende, leidenschaftliche, heißblütige Judith, eine junge stattliche Witwe. Als er sich schließlich für Anna entscheidet, wandert Judith nach Amerika aus. Sein Liebesglück währt aber nicht lange, da Anna stirbt. Nun geht er an die Kunstschule nach München, wo er bald in bitterste Not gerät.
Die beiden Fassungen haben einen unterschiedlichen Schluss. In der 1. Fassung begegnet Heinrich bei seiner Rückkehr in die Heimat dem Leichenzug seiner Mutter und stirbt bald darauf. In der 2. Fassung kann er seine Mutter kurz vor ihrem Tod noch einmal sehen. Er findet einen adeligen Gönner, gibt die Malerei auf und findet eine feste Anstellung als Amtmann im Verwaltungsdienst seiner Heimatstadt. Judith kehrt nach einem arbeitsreichen Leben aus Amerika zurück und wird seine Lebensgefährtin. Ihr schenkt Heinrich das geschriebene Buch seines Lebens, in grüne Seide gebunden.
Das Werk steht zwar in der deutlichen Nachfolge von GOETHEs Bildungsroman und den Künstlerromanen der Romantik, unterscheidet sich aber doch weitgehend von seinen Vorbildern. Es ist nicht mehr wirklichkeitsfremd, sondern bietet eine natürliche Schilderung des realen Lebens.
Den Höhepunkt in KELLERs erzählendem Werk stellen seine großen Novellensammlungen dar. Mit Recht hat man den Dichter den „Shakespeare der Novelle“ genannt. Mit Ernst, Spott und Humor, in abgeklärter Heiterkeit und epischer Ruhe stellt er den Kampf des Gesunden und Wahren gegen Lüge und Heuchelei dar und erweist sich dabei als echter Realist, indem er nach der künstlerischen Gestaltung dessen, was tatsächlich und wirklich ist, strebt.
Die zweibändige Sammlung Die Leute von Seldwyla (1856 und 1874) führt den Leser nach Seldwyla, eine vom Dichter erfundene, wunderlich-verschrobene Kleinstadt in der Schweiz. Die Bewohner sind oft unzuverlässig, leichtsinnig, selbstgerecht, und scheitern am Leben. Die Sammlung umfasst u.a. die folgenden Novellen:
Romeo und Julia auf dem Dorfe ist die Tragödie eines jungen Liebespaares, das durch die Feindschaft der Eltern in den Tod getrieben wird.
Die drei gerechten Kammacher sind der Sachse Jobst, der Bayer Fridolin und der Schwabe Dietrich. Sie arbeiten in einem Kammachergeschäft, das sie nach dem bevorstehenden Bankrott des Besitzers erwerben wollen. Da sie dazu Geld brauchen, wollen alle drei die eigennützige und herrschsüchtige Züs Bünzlin heiraten. Keiner gönnt sie dem anderen. In diesem Streit erhängt sich schließlich Jobst, Fridolin wird wahnsinnig. Dietrich gewinnt zwar die Hand der reichen Züs, wird aber nicht glücklich, denn Züs regierte und unterdrückte ihn und betrachtete sich selbst als die alleinige Quelle alles Guten. Die drei Selbstgerechten kennzeichnet bloß äußere Ehrbarkeit bei innerer Gesinnungslosigkeit und pfiffiger Selbstsucht
Kleider machen Leute ist die Geschichte des armen, aber gut gekleideten Schneiders Wenzel Strapinski, der auf der Wanderschaft plötzlich für einen Grafen gehalten wird und die ihm aufgezwungene Rolle bis zu einem für ihn glücklichen Ende zu spielen weiß.
Im Gegensatz zur Seldwyler Narrenwelt führen die Züricher Novellen (2 Bde., 1878) in die Welt der Zuverlässigen, die sich durch Heimatliebe und tüchtige Arbeitskraft auszeichnen. Die 5 historischen Novellen geben 5 Kulturbilder aus der Heimatstadt des Dichters, die die Zeit vom hohen Mittelalter bis zum Jahr 1849 umspannen.
Hadlaub erzählt die Geschichte des Minnesängers Johannes Hadlaub, der im Auftrag des Herrn Rüdiger von Manesse die berühmte Liederhandschrift zusammenstellte, in der alle großen Minnesänger vertreten und abgebildet sind.
Das Fähnlein der sieben Aufrechten ist ein Bekenntnis zur Schweizer Bürgerdemokratie. | ||
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| Conrad Ferdinand MEYER (1825-1898) wurde 1825 in Zürich als Sohn eines Regierungsrates in eine wohlhabende Patrizierfamilie hineingeboren und auf den Namen Conrad MEYER getauft. Nach dem frühen Tod des Vaters (1840) wurde das nervöse, überempfindliche Kind in einsamer Absonderung von Altersgenossen von der pietistisch ausgerichteten Mutter und der älteren Schwester Betsy aufgezogen. Durch die schwermütige Mutter, die 1856 durch Selbstmord ihr Leben beendete, erblich belastet, litt MEYER stets unter Gemütsstörungen, die zeitweilige Aufenthalte in Nervenheilanstalten nötig machten. Durch umfangreiche Privatstudien erwarb er sich ein besonders reiches Wissen über die Geschichte und die romanische Literatur und Kunst. Er trat erst mit 39 Jahren als Dichter hervor: sein erster Gedichtband erschien 1864. 1869 übersiedelte er mit seiner Schwester Betsy (1821-1912) nach Küsnacht am Zürichsee. Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 stürzte MEYER, der in beiden Kulturen lebte, in einen tiefen Zwiespalt. Nach dem deutschen Sieg entschied er sich für die deutsche Literatur. | ![]() Conrad Ferdinand MEYER | |
| Nach Reisen in die französische Schweiz, nach Paris und Italien vermählte er sich 1875 mit der Züricher Patrizierstochter Luise Ziegler. Auf seinem Landsitz in Kilchberg am Zürichersee lebte er ab 1877 in völliger Zurückgezogenheit. Ab 1887 litt er wieder unter schweren Depressionen und musste 1892 in eine Heilanstalt eingewiesen werden. Ab 1893 lebte er wieder in Kilchberg, wo er von seiner Frau liebevoll gepflegt wurde und 1898 in geistiger Umnachtung starb. MEYER versenkte sich tief in alle vier Kulturkreise, die sich in der Schweiz entsprechend den vier Landessprachen (Französisch, Deutsch, Italienisch und Rätoromanisch) überschneiden. Zweisprachig aufgewachsen, schien er zunächst bei einem längeren Aufenthalt in der französischen Schweiz und Paris ein französisch schreibender Dichter zu werden. Er beschäftigte sich damals besonders mit den Lehren von Johannes CALVIN. MEYERs Welt war die aristokratisch-heroische. Zeitlebens fesselten ihn die gewaltigen und gewalttätigen Gestalten aus der italienischen Renaissance, die er in mehreren Erzählungen darstellte. Seine Erzählkunst zeigt sich weniger in der Charakterisierung der Menschen, als vielmehr im Aufbau spannender Handlungen. Die Gestalten der Erzählungen sind teils leidenschaftliche, selbstherrliche Tatmenschen, deren Lebenskraft dem Dichter selbst fehlte und die er dafür bewunderte, teils ihm wesensverwandte, innerlich gebrochene Figuren. Es geht ihm dabei weniger um die objektive Darstellung historischen Geschehens in seiner Besonderheit und Einmaligkeit, als vielmehr um das sich darin darstellende all-gemein Menschliche. Am bekanntesten sind seine mit hoher Formkunst geschaffenen historischen Novellen. Das Amulett (1873) ist die Geschichte von Hans von Schadau, einem strengen Calvinisten. Er erinnert sich im Alter an seinen Freund Wilhelm Boccard und an seine Erlebnisse zur Zeit der Hugenottenkämpfe in Paris. Er wurde durch das Amulett seines Freundes, der selbst ums Leben kam, vor dem sicheren Tod bewahrt und kam mit seiner Frau aus dem Wüten der Bartholomäusnacht glücklich in die Schweiz zurück. Das katholische Amulett war der Muttergottes von Einsiedeln geweiht. In Der Heilige (1879) erzählt Hans der Bogner, der auch „der Engländer“ genannt wird, am Tag des heiligen Thomas Becket von Canterbury dem Züricher Domherrn Burkhard vom Schicksal Thomas Beckets am Hof König Heinrichs II., das er selbst miterlebt hat. Becket war zunächst der weltfrohe Kanzler des englischen Königs. Er ließ sich auch nichts anmerken, als der König sein Tochter zugrunde richtete. Als Heinrich II. ihn aber zum Erzbischof von Canterbury machte, entpuppte er sich - zur Überraschung des Königs - als dessen Gegner im Konflikt mit dem Papst. Der König ließ ihn schließlich (in der Kirche!) ermorden. Er machte Becket damit zum Märtyrer und Heiligen und bereitete gleichzeitig seinen eigenen Untergang vor. Gustav Adolfs Page (1882) ist ein Mädchen: Auguste Leubelfing liebt den Schwedenkönig Gustav Adolf und tritt an Stelle ihres Vetters, den sein Vater dem König als Page empfohlen hat, in das Heer ein. Zweimal wird ihr Geheimnis beinahe entdeckt. Das erste Mal, als Korinna, die Mätresse des lasterhaften Herzogs von Lauenburg, vor den König gerufen wird, das andere Mal, als der liegengebliebene Handschuh des Lauenburgers Auguste passt. Verwirrt flieht sie und kehrt erst vor Beginn der Schlacht bei Lützen zu dem Schwedenkönig zurück. Beide fallen in der Schlacht und das Geheimnis wird mit ihnen begraben. Die Hochzeit des Mönchs (1884) wird dem italienischen Dichter Dante ALIGHIERI in den Mund gelegt, der die Geschichte am Fürstenhof von Verona erzählt. Das Thema, das ihm gestellt wird, lautet „plötzlicher Berufswechsel“. DANTE rollt die Erzählung anhand einer Grabinschrift von hinten her auf. Die Versuchung des Pescara (1887) handelt von einem Feldherrn Karls V., der die Möglichkeit hätte, den Kaiser zu verraten und sich selbst zum Herrn über Italien aufzuschwingen. Pescara durchschaut, anders als seine Gattin Vittoria Colonna, das Spiel und weigert sich. Nur er allein weiß, dass er an den Folgen einer Verwundung bald sterben wird. Auch MEYERs Lyrik ist formvollendet und weist bereits voraus auf Stefan GEORGE und Rainer Maria RILKE. | ||
| Die Verserzählung Huttens letzte Tage (1871) berichtet über den von Huldrych ZWINGLI auf die Insel Ufenau im Zürcher See geretteten Ritter Ulrich von HUTTEN, der auf seinen nahen Tod voraus- und auf sein Leben zurückblickt. Die Ballade Die Füße im Feuer (1892) lässt persönliche Konflikte in den Hugenottenkriegen lebendig werden. Ein königlicher Reiter, der einst an der Verfolgung der Hugenotten beteiligt war, kehrt ahnungslos in einer Sturmnacht auf der Burg eines hugenottischen Edelmanns ein, dessen Frau er einst zornentbrannt in die Flammen stieß, weil sie ihm den Aufenthalt des Gatten nicht verriet. Wirkungsvoll werden die Ankunft des Verirrten im Schloss, das Wiedererkennen des Ahnensaales, das wortkarge Abendessen, bei dem die Kinder den Fremden erkennen, und die qualvolle Nacht, die er in Angst um sein Leben wachend verbringt, geschildert. Doch er bleibt verschont. In übermenschlicher Selbstüberwindung verzichtet der Schlossherr auf Vergeltung: Mein ist die Rache, redet Gott. MEYER hat oft lange an einem Gedicht gefeilt und mehrere Fassungen geschrieben. Eines seiner berühmtesten Gedichte ist Der Römische Brunnen (1892). | ![]() Römischer Brunnen | |
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